Die ungleichen Brüder

Die Zylinderköpfe des BMW 328 und des Bristol 85

Die Fertigstellung einer weiteren Kleinserie von Zylinderköpfen für den BMW 328 aus unserer bewährten Nachfertigung ist und war schon immer ein kleines Ereignis.
Im Jubiläumsjahr des BMW 328 konnte die Ersatzteilversorgung historischer BMW Kraftfahrzeuge GmbH erstmals auch eine Nachfertigung des „jüngeren Bruders“, den Zylinderkopf des Bristol 85 anbieten. Grund genug, diese beiden auf den ersten Blick so ähnlichen Ersatzteile einander einmal gegenüber zu stellen und zu berichten, wie es zu diesem Nachfertigungsprojekt kam.

Zylinderkopf Bristol 85

Original Zylinderkopf BristolDer Zylinderkopf des Bristol 85 wurde von 1947 an in unterschiedlichen Versionen produziert und weist gegenüber dem 328er in der Hauptsache eine geänderte Wasserführung und einen völlig anderen Wasserpumpenanschluss auf.
Die Ausführung 85B besaß zudem einen angegossenen Bypass zwischen den Ansaugkanälen, der für die britischen SU Vergaser hilfreich erschien, meist jedoch verschlossen wurde. Wir berufen uns auf die Ausführung 85A, die nicht über diesen Bypass verfügte.
Wie beim BMW 328 gab es bei Bristol verschiedene Varianten bei den Ventilen. Für die Nachfertigung war es naheliegend, die bewährten Ventile mit 39 mm für das Einlass- und 36 mm für das Auslassventil zu wählen. Aus logistischen Gründen wurden bei den Gewindeausführungen metrische Maße gewählt. Sollte der britische Markt jedoch Zollgewinde verlangen, lässt sich die Fertigung leicht umstellen.

Obwohl es sich also im Wesentlichen um ein fast gleiches Gussteil handelt, hätte eine Nachfertigung des Bristol Zylinderkopfes auf herkömmliche Art noch einmal den selben Entwicklungsaufwand erfordert wie seinerzeit die Nachfertigung des 328er Zylinderkopfes. Es zeichnete sich aber bereits im Jahre 2004, als die letzten in Sandgusstechnik erstellten Zylinderköpfe fertig gestellt wurden, ab, dass diese Technik für ein so kompliziertes Teil nicht mehr zeitgemäß war, zumal ohnehin eine kostenaufwändige Revision des alten Gussmodells fällig geworden wäre.

Es folgte eine Reihe von Besichtigungen modernster Gießereien und Bearbeitungsfirmen, die z. T. in der Formel 1 tätig waren und ein weiteres Standbein im Oldtimersektor suchten. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wären alle diese Firmen in der Lage gewesen, den 328er und den Bristol Zylinderkopf herzustellen. Nur wollte man bei der Ausgestaltung der Abgüsse eigene Wege gehen und nicht unbedingt unseren Vorstellungen folgen. Ausgangspunkt für uns war jedoch die bewährte Ausführung mit Verstärkungen an den bei vor 1940 hergestellten Köpfen bekannten Bruchstellen. Auch mit der Preisgestaltung kamen wir letztlich dann zu keiner Übereinkunft.

Gießerei Illichmann

Den Durchbruch brachte ein Besuch bei unserer langjährigen Gießerei Illichmann in Österreich. Dipl. Ing. Christoph Lesterl, dort jetzt für unsere Nachfertigung der Zylinderköpfe zuständig, schlug vor, „Nägel mit Köpfen“ zu machen: Erstellung einer 3D- Zeichnung und Fertigung des Modells mit modernster Lasertechnik, Präzisionsguss nach neuesten Vorgaben, die wir als Firmengeheimnis nicht weiter ausführen werden. Zugute kamen uns die langjährigen Erfahrungen mit diesen Zylinderköpfen.
Die notwendigen unterschiedlichen Wandstärken waren ebenso bekannt wie die Aluminiumlegierung, die sich seit 1979 bewährt hatte.
Nach einer ausführlichen Beratung über alle Details anhand der vorhandenen 2D- Zeichnungen sowie einem 65 Jahre alten Zylinderkopf und einem Exemplar von 1981 konnten die Arbeiten bei der Firma Illichmann beginnen und bereits die ersten Probegüsse stimmten. Es folgte eine Kleinserie von 10 Exemplaren, die 2008 zur Auslieferung kam.

Moderne 3D-Fertigunsgtechniken

Nachfertigung Zylinderkopf BristolEin weiterer Vorteil dieser modernen Fertigungstechnik besteht darin, dass Änderungen sich wesentlich leichter verwirklichen lassen. So lag es praktisch auf der Hand, durch eine Anpassung des 3D-Computermodells an die oben beschriebenen Eigenheiten des Bristol Zylinderkopfes auch hierfür eine Nachfertigung zu projektieren. Obwohl von der Aluminiumlegierung etwas weniger zum Verfall neigend als das Hydronalium 51 des 328er Kopfes sind vom Verschleiß her die alten Bristol Zylinderköpfe nämlich spätestens jetzt an dem Punkt angekommen, an dem 1976 die BMW Teile waren.

Parallel zu den ersten Exemplaren der Bristol 85 Zylinderköpfe wurde bei sprunghaft steigender Nachfrage nach Qualitätsprodukten auch eine Charge 328er Köpfe aufgelegt, die ebenfalls bei Schnitzer Motorsport bearbeitet wurde. Die Auslegung erfolgte in der „Rennsportversion“ mit großen Ventilen, bearbeiteten Brennräumen und Kanälen.

Alle Oldtimerfreunde, die ein Exemplar unseres Bristol 100 Zylinderkopfes bestellt hatten wurden beliefert. Wer noch einen Bristol Zylinderkopf haben möchte kann gerne eine Anfrage an uns senden, aktueller Stand: Sofort lieferbar (Dezember 2018). Weitere Infos auf der Seite: Zylinderkopf Bristol.